Der Sonnenstrahl

frei nach Christian Morgensterns Lattenzaun

Es war einmal ein Sonnenstrahl,
der traf die ach, so gute Wahl,
mit Lichtgeschwindigkeit, ganz schnell
die Erde anzuleuchten hell.

Ein CO2, das dieses sah,
stand eines Tages plötzlich da
und ließ ihn nicht ins All zurück.
Das war ein wenig schon verrückt.

Die Luft, die heizte sich bald auf,
die Erde war gar nicht gut drauf,
das Eis, das schmolz, war bald schon weg,
kein Damm erfüllte seinen Zweck.

Das Wasser stieg bis an mein Haus,
und das Gedicht, das ist jetzt aus.

dkb, Mai 2007

Klimawandel Haus

Der Tropenwald

Es war einmal ein Tropenwald
mit Bäumen grün, sehr hoch und alt.
Ganz warm und feucht, er wunderbar
für groß und klein die Heimat war.

Fernab in einem reichen Land
der Appetit auf Steak entstand.
Man brauchte Platz. Wozu ein Wald?
Man schlug das Holz. Ganz kahl war's bald.

Die Sonne scheint, der Affe stirbt.
Der Boden blank jetzt erodiert.
Ein Vogel legt ein letztes Ei.
Das Rind es rülpst, Methan wird frei.

Nun sitzt er da am Teakholztisch,
der reiche Mensch, das Hemd nicht frisch.
Der Schweiß, der läuft, das Asthma plagt.
War das o.k?, er sich nun fragt.

dkb, August 2007


Der Burger

Kuhmaul

Auf der Fahrt vom Sport nach Hause
nach der heißen, nassen Brause
seh' ich jedesmal ein Schild
mit 'nem großen braunen Bild.

Hier McKing, so schreit es aus
und ein Duft sich breitet aus.

Und schon plagt mich der Gedanke,
obwohl ich -
wirklich, wirklich schwanke,
diesen kleinen Wink zu nutzen
und 'nen Burger zu verputzen.

Doch man hat gehört als Kind:
Burgerfleisch, das stammt vom Rind.
Und ein Rind, so weiss man jetzt,
Gras auch zu Methan zersetzt.

Nun das Neonschild es leuchtet
und mein Mund sich schon befeuchtet.
Etwas Burger für den Magen
nach dem Sport kann man vertragen.

Doch dies Rind, wo fraß es Gras?
Bäume einst dies Land besaß?

Ein großer Bissen ist mein Schwarm,
niemals zu heiß, immer schön warm.
Hallo Gewissen, laß mich ruhn!
Was kann ein einzelner schon tun?

Ein kategorisch "Nein" dringt an mein Ohr.
Der Kantsche Imp'rativ sei diesem vor!

Doch etwas muss ich jetzt verdauen.
Ein Burger ist so gut zu kauen!

Da plötzlich ist das Schild vorbei.
Beendet ist die Zweifelei.

Ich schaffe es nicht immer, aber immer öfter.

dkb, März 2008


Reisewut

Da draußen tobt die Reisewut,
derweil daheim der Weise ruht.

Schüttelreim aus einem Gedicht von Eugen Roth


Im Supermarkt

Da steh' ich nun mit meiner Liste
am Obstregal vor dieser Kiste.
Der Frühling hat noch nicht begonnen,
kein einzig Blatt sich konnte sonnen,
und doch hier frische Früchte fragen
nach einem Platz in meinem Wagen.

Wie macht ihr das, ihr tollen Dinger?
Schon streck' ich aus den ersten Finger,
da zeigt ihr Schild mir unverhohlen
das Land, in dem sie großgezogen.
Bevor sie uns'ren Gaumen speisen,
war'n sie sehr lange Zeit auf Reisen.

So seh' ich nun - trotz all den Süchten -
hier klebt viel Öl an diesen Früchten
und in der Menge, muss ich sagen,
kann uns're Welt das nicht vertragen.
Drum hand'le ich jetzt doch gescheiter
und schiebe meinen Wagen weiter.

dkb, Mai 2009

Regionale Aepfel

Am Rande des Nordpolarmeeres

Ein Land ganz weiß mit Schnee bedeckt,
so blendend hell und unbefleckt.
Darunter Alteis fest gepresst,
der letzten Eiszeit kalter Rest.

Ein Gletscher kalbt, Eisblöcke schwer
mit lautem Krach stürzen ins Meer.
Neugierig eine Robbe schaut,
ihr Sitzplatz ist fast aufgetaut.

Fernab von dieser rauhen See
in einer Höhle ganz aus Schnee,
die sehr geschickt den Wind abhält,
ein Eisbärjunges kommt zur Welt.

Die Bärin säubert es sogleich,
es ist noch blind, sein Fell ganz weich.
Der Eisbär draußen ist schon alt.
Der Winter ist zu nass, kaum kalt.

Zu früh der Schnee an Kraft verliert,
in diesem Jahr nichts mehr gefriert.
Die Eisbärhöhle, sie bricht ein.
Der Eisbärmann ist nun allein.

dkb, Januar 2008


Das Böse

Ein Mensch pflückt, denn man merkt es kaum,
ein Blütenreis von einem Baum.
Ein andrer Mensch, nach altem Brauch,
denkt sich, was der tut, tu ich auch.
Ein dritter, weil´s schon gleich ist, fasst
jetzt ohne Scham den vollen Ast,
und sieh, nun folgt ein Heer von Sündern,
den armen Baum ganz leer zu plündern.
Von den Verbrechern war der erste,
wie wenig er auch tat, der schwerste.
Er nämlich übersprang die Hürde
der unantastbar reinen Würde.

Eugen Roth, deutscher Dichter (1895-1976)


Der Baum

Zu fällen einen schönen Baum,
braucht’s eine Viertelstunde kaum.
Zu wachsen, bis man ihn bewundert,
braucht er, bedenkt es, ein Jahrhundert.

Eugen Roth, deutscher Dichter (1895-1976)



Ich bin dagegen

Ich bin dagegen, dass die Gletscher schmelzen.
Ich bin dagegen, dass die Wüsten sich ausbreiten.
Ich bin dagegen, dass die Wälder abgeholzt werden.
Ich bin dagegen, dass so viel CO2 freigesetzt wird.

Ich bin dagegen, seltener zu fliegen.
Ich bin dagegen, dass mein Strom teurer wird.
Ich bin dagegen, langsamer zu fahren.
Ich bin dagegen, dass mein Land sich einschränkt bevor andere es tun.

Ich bin dagegen, dass die Skigebiete schrumpfen.
Ich bin dagegen, dass Urlaubsregionen überschwemmt werden.
Ich bin dagegen, dass die Temperaturen steigen.
Ich bin dagegen, dass Insekten sich ausbreiten.

Ich bin dagegen, kürzer zu duschen.
Ich bin dagegen, das Licht auszumachen.
Ich bin dagegen, mein Einkaufsverhalten umzustellen.
Ich bin dagegen, dass unsere Wirtschaftsregeln geändert werden.

Ich bin dagegen, dass mein Land häufiger von Stürmen betroffen ist.
Ich bin dagegen, dass in meiner Stadt die Hitzeperioden zunehmen.
Ich bin dagegen, dass mein Garten verdorrt.
Ich bin dagegen, dass meine Gesundheit leidet.

Ich bin dagegen, dass ich dagegen bin.
Wofür bin ich?

dkb, Mai 2007


Gehe

Lache und die Welt lacht mit Dir.
Weine und die Welt weint mit Dir.
Trete und die Welt tritt mit Dir.
Gehe und die Welt geht mit Dir.

Gehe wohin Du willst.

dkb, Mai 2007